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Das grüne Auge



Brutal gut, dieser Roman!

Literaturtipp von Gabriele Barbey, 25. Juni 2021


Marie betet dafür, endlich ein Kind zu bekommen. Als 23-Jährige hat die Französin ihre europäische Heimat verlassen, um als Infirmière im Spital von Mamoudzou zu arbeiten, der Hauptstadt auf Mayotte, einer französisch gebliebenen Komoren-Insel im indischen Ozean. Marie sieht täglich, wie von den nichtfranzösischen Nachbarinseln geflüchtete Mütter hier gebären. Sie alle erhoffen sich für ihre Kinder die Staatsbürgerschaft Frankreichs.

Warum Marie – ihr Mann hat sie verlassen – doch noch zu einem Baby namens Moïse kommt, erzählt diese Geschichte; aber das ist nur der Anfang...
Appanah, die auf Mauritius geborene und in Frankreich lebende Autorin, hat den scharfen Blick einer engagierten Journalistin. Gleichzeitig saugt ihr atemloser Schreibstil einen in eine Gewaltspirale hinein.

Medienberichte über die Inselgruppe der Komoren zeigen den Flüchtlingsstrom nach Mayotte auch als eine Spätfolge von Kolonialismus und machen klar: Dieser Roman ist brutal realistisch. Und brutal gut. Was es mit dem grünen Auge im deutschen Titel auf sich hat? Selber lesen – auch auf französisch empfohlen.

Nathacha Appanah: Das grüne Auge. Roman. Aus dem Französischen von Yla von Dach. 213 Seiten, mit 1 Karte. Lenos Verlag, Basel 2021
Oder als französisches Taschenbuch:
Nathacha Appanah: Tropique de la violence. Editions Gallimard, collection Folio, Paris 2016








Dieser Literaturtipp wurde erfasst am 25.06.2021 um 15:13 Uhr.



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