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Unternehmen Algerien – in Heiden



Ausstellungstipp von Gabriele Barbey, 6. Dez. 2021

Immer wieder frappant, wie Kolonialismus bis heute in unserem Leben aufscheint. Im Dunant Plaza in Heiden wird anhand von Lebensstationen des jungen Henry Dunant gezeigt, wie der Genfer 1853 als 25-Jähriger nach Algerien reiste, und zwar im Auftrag der Handelsgesellschaft der Schweizer Kolonien von Sétif. Dort sollte Land für mehrere Hundert Schweizer Auswanderer nutzbar gemacht werden. Ein Riesenprojekt, das böse scheiterte.

Im 19. Jahrhundert spielte die europäische Vorliebe, ja die Sucht nach Exotik aus dem Orient eine prägende Rolle. Haremsszenen entzündeten die Fantasien von EuropäerInnen. Wie hartnäckig sich Bilder und daraus entstandene Klischees bis heute halten, macht die Ausstellung deutlich. Dies zum einen Teil der Ausstellung.

Damit thematisch lose verknüpft der andere Teil: Die Genfer Künstlerin Camille Kaiser (geboren 1992) arbeitet mit ihrer Familiengeschichte. In einem Video zeigt sie fragmentarisch und einleuchtend, wie sie sich anhand von Briefen ein Bild ihrer Grosseltern macht. Die Briefe sind in den 1950er-Jahren geschrieben von ihrem Grossvater, einem Ingenieur in französischen Diensten. Er adressierte sie an seine zukünftige Frau, die in Oran lebte, im von Frankreich kolonisierten Algerien. Wo seit 1954 Krieg herrschte und wo 1962 Algerien als unabhängiger Staat entstand. (Und wo bis heute die Beziehungen zwischen Algerien und Frankreich konfliktbeladen sind!) Das Dunant-Plaza-Leitungsteam mit Kaba Rössler und Nadine Schneider hat ein gutes Gespür für aktuelle Themen und verleiht so dem Henry-Dunant-Stoff neue Farbe und Dringlichkeit.

Zu sehen bis 20. März 2022. Siehe untenstehenden Link:






Mehr Informationen unter https://www.dunant-museum.ch


Dieser Literaturtipp wurde erfasst am 06.12.2021 um 15:34 Uhr.



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